Wohin mit der Traurigkeit?

Heute ist ein wunderschöner Sonntag – könnte man meinen. Aufgewacht bin ich mit guter Laune, der ganze Tag war vor mir, es sollte ein gemütlicher Tag werden. Und dann ist irgendetwas passiert, die Stimmung ist gekippt, ich weiß nicht ganz genau warum. Der schöne Sonntag schien dahin zu sein und ich war auf einmal ein Haufen Trauer, Leid und Unglück oder so ähnlich. Einfach von einer Sekunde zur anderen, vom Sonnenschein zum Trübsalblasen – wie ist das möglich? Was ist das? Warum?
 

Das unendliche Leiden des Menschseins hat dich erwischt. Man fühlt sich benommen, ohnmächtig, nichts läuft nach Plan und es scheint keinen Grund dafür zu geben. Alle Umstände deuten darauf hin, dass man sich glücklich, „happy“ fühlen soll. Es ist Sonntag, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, der Ehemann ist zu Hause, alle geplanten Aufgaben sind erledigt, man ist endlich bereit fürs Genießen, für einen harmonischen, gemütlichen, ruhigen und friedlichen Tag. Es geht nicht nur dir so, es scheint fast der ganzen Nation, sogar der halben Welt, so zu gehen. Millionen von Menschen sind am heutigen Tag mit friedlichen und freudigen Erwartungen aufgewacht. Es ist Frühling, die Natur ist endlich erwacht, die Regenwolken haben sich verzogen und man will mit der Natur mithalten. Man will genauso erwachen, das Staubige, Träge, abschütteln und erblühen.

Und, ist etwas Verkehrtes daran?

Grundsätzlich nicht, nur stelle dir die Last vor, den Erwartungsdruck, den so Millionen von Menschen an so einem Tag plötzlich erzeugen. Die ganze Hektik, Strenge, die Ernsthaftigkeit, Schmerzen, Trauer, Enttäuschungen, Frust und Trägheit, dies alles soll an so einem wunderschönen Morgen weichen, das Gemüt soll sich erhellen – die winterliche Depression und Mattheit packt man am besten in einen Koffer und verstaut sie im Keller, bis wieder die Wintertage hereinbrechen, nicht?

Aus dem Buch “BewusstseinsCoaching – Das menschliche Paradoxon“, Seite 105

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