Enthaltsamkeit & Spiritualität

Gerade die Spiritualität hat es sich hier besonders einfach gemacht: das Thema wurde früher einfach als unbrauchbar und lästig abgehakt. shutterstock_129501278Die Wahrheit ist eher, dass auch die spirituellen Bemühungen hier an eine Grenze, an eine Wand gestoßen sind und nicht weitergewusst haben. Man fühlte sich ohnmächtig, fand keine Antworten und wusste zugleich, dass einem da auch noch andere Themen im Nacken sitzen, die man doch irgendwie leichter angehen konnte. Also, warum nicht die Sexualität verbannen, damit sie bei den anderen Bemühungen (wie z.B. Erleuchtung) nicht stört und erst dann wieder darauf zurückkommen, wenn man klüger geworden ist. Das Problem ist die Behauptung: „Sexualität ist für die Spiritualität nicht gut.“ Klar gibt es fernöstliche Theorien, die wiederum durch das „Gegenteil“ – z.B. durch tantrische Praktiken – dem Weg zur Erleuchtung einen angeblichen Kick verleihen sollen, aber wir bewegen uns in einem christlichen Gebiet, dass schon seit so einigen Jahrhunderten im Bewusstsein der Menschen „tobt“. Dieses Enthaltsamkeitsdenken als der spirituelle Wegweiser hat sich im westlichen Bewusstsein so eingenistet und verbreitet, dass kaum jemand, der die Sexualität auf dem Wege zu seiner „Erleuchtung“ losgelassen hat, um zu ihr zurückzukehren, wenn er weiser geworden ist, dann noch daran denkt, sie wieder aufzunehmen. Das ist nämlich gar nicht so angenehm. Man müsste dorthin zurückkehren, wo man es (das Thema) verlassen hatte, was sich für viele wie ein Rückschritt bzw. Abstieg anfühlt. Warum sollte man dorthin zurückkehren wollen, wenn man es doch so eilig hatte, von dort wegzukommen, dass man auf den so heiß geliebten Sex lieber verzichtete? Es fällt einem schwer, wenn man den Platz an der Sonne gefunden hat, in den eigenen Schatten zurückzukehren – außer man hat sich bereits einmal verbrannt und lernte dadurch auch die Vorteile von schattigen Plätzchen zu schätzen.

Selbstverständlich ist dies jetzt nur eine allgemeine Zusammenfassung, die uns über das Thema selbst noch nicht viel verrät – außer, dass es eine harte Nuss zu sein scheint. Dieses Thema ist sehr komplex. Es ist irgendetwas, das man schwer beschreiben bzw. in Worte fassen kann, solange man kein eigenes Gefühl dafür entwickelt hat. Erst wenn man aus dem eigenen Gefühl heraus weiß, um was es geht, kann man versuchen, es für die Menschen in verständliche oder näher bringende Worte zu fassen und dies aber auch nur für Leute, die es überhaupt hören wollen. Bei diesem Thema ist der heutige Mensch nämlich besonders taub und blind. Das, was die wenigsten Menschen verstehen bzw. bedenken, ist, dass jedes Thema seine individuelle Geschwindigkeit bzw. Schwingung hat.

Jedes Thema schwingt auf einer bestimmten Frequenz und kann nur auf dieser erreicht und auch verstanden werden.

Für manche von euch schwingen jedoch gewisse Aspekte des Sexthemas besonders langsam oder zu schnell. Dort kann sich eine Differenz in der Empfindung der Partner ergeben, wie oft und wann wer einen Seximpuls verspürt. Einen Mann zum Partner zu haben, dem die vergangene Zeit gar nicht so lang vorkommt, obwohl es unlogisch scheint – er ist doch Mann, müsste doch mehr oder sogar ständig an Sex denken als die Frau gar. Er müsste ihm mehr fehlen, der natürliche Trieb usw. bla-bla-bla. Was sagt diese Diskrepanz? Es sagt nur, dass die Geschwindigkeit, in der sich der Mann im Zusammenhang zu diesem Thema bewegt, langsamer ist. Bei ihm fließt die Zeit dahin, geschehen nicht so viele Sachen auf einmal wie bei anderen. Auch das subjektive Gefühl der Entfernung von einem (Zeit)Punkt zum anderen ist nicht so intensiv ausgeprägt. Umgekehrt gestaltet es sich zum Beispiel beim Spazierengehen. Da erscheint ein und dieselbe Strecke dem einen Partner relativ kurz und dem anderen eher weit. Und meist dem Partner, der in einer „langsameren“ Zeit lebt, eher weit. Warum? Weil während des Gehens bei ihm weniger geschieht. Weil er eben langsamer schwingt. Das heißt, der schneller Schwingende ist während des Gehens ununterbrochen in seinem Inneren beschäftigt – die Strecke ist mit Tausenden von Erkenntnissen gefüllt, während dem anderen schon die Füße richtig wehtun, weil der Weg bis zu der einen, gerade anstehenden Erkenntnis, sehr weit war.

 Auszug aus dem Buch „BewusstseinsCoaching 2 – Die verkehrte Logik„, Seite 60
von Kristina Hazler