Warum wollen wir (nicht) anders sein?

Ein weißer Mann unter lauten Schwarzen. Weit und breit keine Zivilisation, alles noch unberührt und urig. Alle tanzen. Der junge weiße Mann tut sich schwer mit dem Rhythmus und mit seinem Körper. Er müht sich richtig ab, alles so zu machen wie die anderen, aber bei ihm schaut es immer anders aus. Es fließt nicht. Es ist irgendwie eckig, der Körper will einfach diesen Rhythmus nicht übersetzen. Bei allen anderen schaut es unglaublich leicht und spaßig aus. Der junge Mann empfindet keinen Spaß dabei. Er ist schweißgebadet, frustriert, verärgert über sich selbst, enttäuscht. Seiner Ansicht nach, egal wie er sich bemüht, wie fleißig er auch übt – es wird einfach nicht besser. Als wäre es nicht genug, dass er schon viel größer und unförmiger ist als die anderen Männer. Obwohl er größer ist, hat er längst nicht so viel Kraft wie seine Stammesbrüder. Beim Laufen kann er nicht mithalten, er stellt sich einfach immer tollpatschig an. Was hat er nur verbrochen, dass ihn Gott mit so einem unbeholfenen Körper bestraft hat? Was muss er nur tun, um es wieder gut zu machen? Wie kann er seine Strafe abarbeiten? Büßen? Sei es was es wolle, er will endlich so wie seine Brüder sein. Er will nicht rausstechen! Er will nicht etwas Besonderes sein! Alle schauen gleich aus, nur er stellt sich so an!
Alle anderen verstehen nicht, was er hat. Sie kennen ihn seit seiner Kindheit. Eine weiße, elegante Frau hat ihn geboren und kurz danach ist sie gestorben. Diese Menschen dachten nicht in Dimensionen schwarz und weiß. Sie gaben dem keinen Wert. Sie erzogen den Jungen wie einen von ihnen selbst und vergaßen, sein Bewusstsein auf seine andere Hautfarbe aufmerksam zu machen. Für sie tat er sich richtig gut. Egal ob beim Tanzen, Laufen oder bei anderen Arbeiten. Schließlich war jeder von ihnen irgendwie anders und hatte eigene Qualitäten.

Der junge Mann wurde älter und konnte nach eigenem Urteil den Rhythmus noch immer nicht so gut übersetzen wie andere. Er nahm sich vor – sein Hauptziel für den Rest seines Lebens – so gut, sogar besser wie der Beste von seinen Stammesbrüdern zu werden. Er arbeitete hart an sich. Sein Wille war sehr stark und trug bald Früchte. Seinem Urteil nach lernte er endlich so gehen, denken, fühlen, tanzen und singen wie ein schwarzer Mann. Man könnte sagen – sogar „schwärzer“. Diese Herausforderung war sein Antrieb, sein Motor, der Sinn seines Lebens geworden. Mit der Zeit reichte ihm sein eigener Stamm nicht mehr. Er konnte es nicht schätzen, dass er sich mit dem Stärksten und Besten von allen messen konnte. Das Misstrauen zu sich selbst war in ihm tief verankert. Er glaubte noch immer nicht an eigene Fähigkeiten und dachte, wenn er es geschafft hat seinen besten Stammesbruder zu toppen, dann muss der Stamm doch ziemlich erbärmlich sein. Er begab sich auf eine Reise, in die Welt hinaus. Er forderte viele der stärksten „Stammesmänner“ auf der ganzen Welt heraus, bis er dem letzten begegnete und mit ihm auch mithalten konnte. Er lernte rund um die Welt alles, was ihm möglich war, den Mann in sich zu stärken. Endlich blieb er stehen. Sein Ziel war erreicht. Endlich war er ein richtiger Mann geworden – dachte er sich. Aber seine Freude hatte nur einen winzigen Augenblick gedauert. Eine große Leere war im nächsten Moment in das Leben dieses Mannes eingekehrt. Was sollte er jetzt tun? Wo sollte er hin? Es gab für ihn plötzlich keine Aufgabe, keine Herausforderung mehr. Wie sollte er denn jetzt leben?

Den Ausgang dieser Geschichte finden Sie im Buch “Der Mensch und seine Heilung – Das göttliche Puzzle”

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