Wenn man nicht muss kann man alles!

Es geht grundsätzlich darum, sich von so einem scheinbaren „Misserfolg“ nicht einschüchtern und entmutigen zu lassen und schon überhaupt nicht zu denken, dass man etwas falsch gemacht oder versagt hat.

Erwarte nicht viel von Ratschlägen und vor allem erwarte nicht, dass du sofort, nachdem du erkannt hast, worum es geht, lernst, ganz locker mit dem Thema umzugehen oder dass ein Problem augenblicklich seine Wirksamkeit verliert.

Wir befinden uns in einem Jahrhundert, wo sich alle menschlichen Erfahrungen aus allen Zeiten verdichten, was bedeutet, dass viele von ihnen auf einmal wirken. Dadurch entsteht ein enormer Druck. Haben die Menschen in vergangenen Zeiten ihr ganzes Leben an einem Thema gearbeitet, so ist es heutzutage ganz anders. Man erfährt sich in konplexen Situationen, die mehrere Leben gleichzeitig widerspiegeln. Warum das so ist, dazu werden wir vielleicht in irgendeinem anderen Buch kommen.

Also, jetzt zurück zu deinem Problem – wobei ich es nicht als Problem, sondern als Thema sehe. Du selbst sagst doch, dass ein Problem dazu da ist, um gelöst zu werden; nun, in diesem Fall geht es nicht darum, irgendetwas zu lösen – so wie es in den wenigsten Fällen darum geht. Die meisten Menschen (be)mühen sich vierundzwanzig Stunden am Tag, irgendetwas zu lösen, Lösungen, Auswege für ihre Probleme zu finden. Sie suchen dort, wo nichts zu finden ist, weil es, wie gesagt, um keine Probleme, sondern um Themen geht. Und die Themen sind dazu da, um sie zu erfahren, zu erleben, eventuell zu erkennen. Das ist das, was viele für dieses Leben gewählt haben; das Erleben und Erfahren.

Hilft es dir jetzt ein wenig, dein „Problem“ aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten? Weißt du jetzt, wo der Wurm drinnen ist und warum du traurig bist?

Jetzt bin ich nachdenklich geworden. Ich kann mir vorstellen, dass ich traurig bin, weil ich die Lösung für ein Problem gesucht habe und das Gefühl hatte, sie noch immer nicht gefunden zu haben und mich dadurch unfähig und vielleicht irgendwo wie ein Versager fühle. Und jetzt, nach deiner Erläuterung, fühle ich mich erst recht bescheuert, dass ich jahrelang nach Lösungen gesucht habe, täglich nichts anderes getan habe als mir meinen Kopf zu zerbrechen, ob es besser so oder so ist, ob ich dies oder lieber das tun soll … Kein Wunder, dass ich dabei eigentlich jedes Mal ins Leere greife. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Zeit und Energie da draufgegangen ist … Wie viel Sich-Sorgen-Machen, wie viel Unglücklich-Sein, Deprimiert-Sein, Nicht-mehr-Wollen und was weiß ich noch was alles …

Aber ist es mit der Erfahrung nicht irgendwie dasselbe? In meinem konkreten Fall – denke ich da nicht auch in einer Schiene, denke ich da vielleicht auch umsonst, dass ich noch dies und das erfahren, erleben muss, weil …?

Aber natürlich! Das ist ja das ewige menschliche „Problem“, zu glauben, man „muss!„ irgendetwas! Das ist ja die „Illusion!“, die „Irreführung!“, die „Ablenkung!“, die „Beschäftigung!“. Nichts mehr und nichts weniger. Heureka! Jetzt haben wir es richtig am Schopf gepackt!

Der Mensch MUSS nämlich überhaupt NICHTS!

Ich weiß, es ist schwer für euch, das zu verstehen, aber wenn man soweit ist, wenn man verstanden hat, was dieser Satz überhaupt aussagt, wenn man ihn fühlen und erfahren kann, dann ist das die Befreiung schlechthin. Was will man noch suchen, lösen, erfahren, erleben, wenn man nicht „muss“?! Denkt mal nach …

Aus dem Buch „BewusstseinsCoaching – Das menschliche Paradoxon„, Seite 32