Schicksalsschrammen

Es gibt Verletzungen, die passiert sind, weil wir so sind wie wir sind und weil das Leben um uns herum lebt und seine eigenen Weichen schlägt. Versuchen wir die Schrammen (physische und psychische Falten, Narben und Male) zu kaschieren? Oder überlassen wir die ganze Angelegenheit lieber gleich den scheinbaren Profis, welche die sichtbaren, offensichtlichen Spuren und Beweise der scheinbaren Ungeschicklichkeit, Unbeholfenheit, Tollpatschigkeit oder einfach des „Schicksals“ beseitigen können? Wollen wir am liebsten jegliche Erinnerung an den Schmerz, den Schlag ins Gesicht, die Erniedrigung, Kränkung, Verletzung, den Schock unterdrücken, auslöschen, verdrängen und sich vorgaukeln dass alles wieder wie früher ist? Unbescholten, makellos, unschuldig, perfekt. Wie viele von uns verwenden täglich Unmengen an Energien darauf, diesen scheinbaren jugendhaften, fast jungfräulichen Zustand sich selbst und den anderen vorzugaukeln?

Ist es der Sinn unseres Lebens, irgendetwas ungeschehen zu machen?

Die Spuren zu verwischen, den ursprünglichen, unschuldigen Zustand zu erreichen? Ist es überhaupt möglich? Ist das die Heilung? Und wenn das die Heilung wäre, ist sie dann möglich? Liegt sie im Rahmen der menschlichen Möglichkeiten?

Für mich besteht der Trick darin, dass solange man die Schramme wie eine Verunstaltung, als einen Makel sieht und das Ereignis, das dazu führte, wie einen Schicksalschlag der negativen Sorte betrachtet, kann man kaum auf Besserung oder Heilung hoffen. Unsere verwirrten Gedanken beginnen den Schuldigen zu suchen, ob in uns selbst, jemanden anderen oder dem Schicksal. Jedoch das Denken und Fühlen in der Dimension der Schuld und Schuldigsein macht eng, unfrei, krank.

Erkenne ich, das diese Schrammen nicht eine Bedrohung bedeuten, gebe ich ihnen keine besondere Stellung, keinen besonderen Wert, außer dass sie da sind, als Zeugen meines Weges, meiner Erfahrung – muss ich sie nicht mehr verstecken, bzw. muss ich mich selbst nicht mehr verstecken.

Aus dem Buch “Der Mensch und seine Heilung – Das göttliche Puzzle” Seite 126