Wenn Albträume wahr werden

Die Illusionsbühne

Das Applaudieren hat kein Ende – der Schauspieler ist wirklich grandios! Der Vorhang geht zum letzten Mal auf und runter, die Menschen beginnen das Theater zu verlassen. Niemand weiß, dass auf der Bühne der Schauspieler auch ohne sein Publikum noch immer kniet und leidet.

Albträume
Albträume

Albträume

Er ist verlassen, aufgegeben, hilflos, weiß nicht wie es weitergehen soll – das Drehbuch ist hier doch zu Ende. Bis hierher hat er es tausend Mal geübt, bis hierher hat er das Geschehen im Blut, aber was jetzt? Die Bühne ist leer, die Kollegen sind nach Hause gegangen, überall ist Dunkel, das Licht wurde ausgeschaltet. Irgendwo findet er noch Kraft, steht doch noch auf und tapselt sich durch das Theater hindurch, bis er schließlich auf der Straße landet. Im Kostüm, in der Schminke. Niemand erkennt ihn. Er sieht sich im Schaufenster, und er sieht sich nicht. Er ist noch immer in der Rolle, aber er weiß es nicht. Er identifiziert sich mit der Verkleidung und mit dem Stück, aber plötzlich gibt es Ungeübtes, Unvorhergesehenes. Die Welt um ihn herum weiß nicht, dass er nur spielt, er selbst doch auch nicht. Jeder begegnet ihm in seiner Rolle, nicht in seinem Ich. Er schaut wie ein armer Bettler aus, in zerrissener Kleidung, durch die Asche verschmutzt – viele wenden sich von ihm ab, einige werfen ihm bemitleidende Blicke zu, andere beschimpfen ihn, rufen ihm Beleidigendes nach. Oder trägt er möglicherweise eine Verbrechervisage? Die Leute flüchten, verstecken sich vor ihm, haben Angst – und er versteht es nicht. Er geht auf sie zu, versucht zu lächeln, bemüht sich Kontakt zu knüpfen, ein paar nette Worte zu sagen und … vielen kann er Angst aus den Augen ablesen. Einige attackieren ihn, werden aggressiv. Er versteht es nicht. Er wollte doch nur … Er wollte ein paar nette Worte sagen, nach dem Weg fragen … und dann auf einmal sieht er sich im Schaufenster. Eine furchterregende Gestalt! Ein in der Wut verzerrtes Gesicht, ein bedrohlich wirkendes Wesen glotzt ihm aus der Auslage entgegen.

Das kann doch nicht wahr sein! Wie ist denn das passiert?! Das bin ich?! Das soll ich sein!? … Hilferuf … flüchtige Gedanken … ein Augenblick der Wahrheit? Sich endlich selbst erkennen …? Endlich sehen, wer man tatsächlich ist? Der Spiegel … sagt er die Wahrheit?

Aus dem Buch „Der Mensch und seine Heilung – Das göttliche Puzzle“ Seite 136

 

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